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Hier die Veröffentlichung der Mails von Simone und Miri - Infos aus erster Hand:
Donnerstag, 03. Oktober 2005 18:08
hallo,
mein name ist simone und im juni absolvierte ich in der hblw wels meine matura.
mir was seit einiger zeit klar, dass ich nach der schule nicht sofort studieren will sondern erst einmal raus in die welt will.
in eine welt, die anders ist als oesterreich. in eine welt, die nicht die materiellen vorzuege geniesst die wir als selbstverstaendlich ansehen.
durch zufall stiess ich auf dieses projekt in pernambuco, brasilien. mittlerweile mit ich seit einem monat hier und habe schon soviele erfahrungen und eindruecke gesammelt, dass sie fuer ein buch reichen wuerden.
ich arbeite mit strassenkindern, die in den sogenannten favelas wohnen.
favelas sind slums und sie zu beschreiben ist unmoeglich.
die armut ist unbeschreiblich und die ungerechtigkeiten die tagtaeglich geschehen sind unbegreiflich.
viele der maedchen prostituieren sich fuer umgerechnet 1euro um sich kleinigkeiten leisten zu koennen. das projekt bietet diesen maedchen die moeglichkeit, tagsueber nicht auf der strasse leben zu muessen, des weiteren bekommt jede familie einmal im monat ein lebensmittelpaket.
ich unterrichte die maedchen mittwochs in englisch, und freitag machen wir sport.
sie sind alle total aufgeweckt und trotz ihres harten lebens strahlen sie soviel energie aus wie kein kind sonst dass ich jemals gesehen habe.
obwohl es nicht einfach ist, geniesse ich meine zeit hier sehr.
ich lerne staendig tolle menschen kennen, sehe viel von der umgebung und das wichtigste natuerlich: ich lerne von den maedchen viel fuer mein weiteres leben.
viele dinge die mir daheim so wichtig waren oder mir sorgen bereitet haben sind nun so nebensaechlich und laecherlich. hohe telefonrechnungen, was mach ich samstag abend etc....das ist alles nicht wichtig. diese menschen hier tun alles fuer sauberes trinkwasser oder ein dach ueber dem kopf.
deshalb hoffe ich, dass viele leute in oesterreich etwas von ihrem geld SPENDEN , um das projekt am leben zu erhalten.
ganz liebe und heisse gruesse aus brasilien,
simone
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Dienstag, 04. Oktober 2005 08:32
hallo freunde, familie und alle andern lieben menschen die mich gluecklicherweise kennen! uff es ist soviel passiert, es gibt soviel zu erzaehlen!
aber ich beschraenk mich aufs wesentliche, hab nicht soviel zeit.
wollte euch heute eigentlich fotos schicken, aber der einzige pc mit cdlaufwerk is kaputt..super. naja, muesst ihr euch noch ein bisschen geldulden.
also: am donnerstag waren wir in den favelas (slums) und haben ungefaehr 5 familien besucht.ihr koennt euch nicht annaehernd vorstellen wie schlimm das war...ich hab dauernd mit den traenen gekaempft, zuhause hab ich dann voll geheult...mir ist das einfach zuviel gewesen.
man kann es eigentlich nicht beschreiben wenn man es nicht gesehen hat..
hab noch nie armut so hautnah erlebt.
diese menschen sind so arm..die haeuser, was heisst haeuser, diese bruchbuden sind in solch einem schlimmen zustand..
es stinkt, alles ist schimmlig weil hochwasser war, gleich beim ersten haus wo wir reingekommen sind ist ein maedchen auf einer dreckigen, kaputten matraze am boden gelegen, ca 4 jahre alt, die fliegen waren ueberall auf ihr und sie hat da so am boden geschlafen.
so traurig...die frauen haben uns ihre geschichten erzaehlt, die schicksale sind alle so arg.
ein alter mann zb, er ist ca 65, hat 4 frauen gleichzeitig..eine davon ist im projekt und 17 jahre alt und hat ein 3 jaehriges kind von ihm.
zusammengekommen sind sie als sie 12 war...12, er is ueber 60...aber das ist ganz normal dort.
es ist so unertraeglich heiss und schmutzig und....ach gott man kann die favelas einfach nicht beschreiben ..unmoeglich...
und fotos mach ich sicher keine, da komm ich mir total scheisse vor wenn ich da mit meiner 400euro kamera rumlauf. sicher nicht.
wir besuchen jetzt jeden donnerstag die favelas...hoffentlich gehts mir beim naechsten mal besser.
der unterricht is uebrigens total anstrengend!
sport macht spass, da koennen sie ja total umeinandertoben und ihre energie rauslassen.
aber englisch is echt schwer...
sie sind lernen einfach nicht gewoehnt, ein paar haben einfach null bock und null aufmerksamkeit, die lenken dann die andern ab und du hast das volle chaos.
aber es macht trotzdem spass, die maedels sind einfach so der hammer.
so lebensfroh obwohl sie eine schlimme vergangenheit und keine tolle zukunft vor sich haben.
muitos beijos e abraços,
simone
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Dienstag, 04. Oktober 2005 14:43
ich hab ja schon vorher gewusst dass die favelas schlimm sind, aber wenn man dann direkt vor ort ist und das sozusagen live miterlebt ist es einfach noch hundertmal so schlimm, kann man einfach nicht in worte fassen!
hier die seite des projekts: www.vida-brasil.com unter " wie helfen " stehen spendennummern und so.
man denkt vielleicht geld spenden sei nicht genug, aber dieses projekt lebt von spenden, man braucht ja staendig schulmaterial , ausserdem bekommen die familien einmal im monat ein lebensmittelpaket welches extrem wichtig fuer sie ist.
also wer wirklich helfen will, muss entweder herkommen, so wie ich halt ;-) oder ein bisschen spenden!
freut mich dass du dich engagieren willst, find ich super echt!
so, ich muss zu meinen maedels, sportunterricht!
und es ist soooo heisssss!!!!
bussal und bis bald!!
simone
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Lagebericht aus Brasilien – 09.10.2005
Mein erstes Wochenende habe ich mit Simone, der anderen Voluntaerin aus Oesterreich, bei Toni, einem Lehrer aus dem Projekt verbracht. Er wohnt von hier aus gesehen auf der anderen Seite von Recife. Mit ihm waren wir auf einem Konzert mit so ich wuerds mal afrikanischer Volksmusik nennen, aufgrund meiner geringen Kenntnis der Materie. Auf jeden Fall wurde dazu in einem grossen Kreis getanzt und son paar alte farbige Damen mit so Reifroecken und quietsche Stimmen haben zu den Trommelrhythmen stundenlang gesungen. Das war abends in Itamaraca am Strand.
Tagsueber hatten wir natuerlich ersteinmal einen Rundgang durch Recife gemacht. Die Stadt ist irgendwie krass. Sie liegt auf drei Inseln. Am schoensten ist meiner Meinung nach Recife Antigo – das alte Recife, schoen im Kolonialstil, dem man die besseren Zeiten ansieht. Ein maroder Charme liegt ueber dem ganzen. Die Strassen sind in weiss-schwarz gepflastert mit Steinen aus Portugal. Hier soll auch Sonntags ein schoener Markt stattfinden, auf dem ich bisher allerdings noch nciht war.
Geld habe ich zum Beispiel in Marta investiert. Eine ganz liebe Lehrerin hier aus dem Projekt. Sie studiert Paedagogik, muss aber in diesem Semester aufhoeren, weil sie die Studiengebuehren nicht mehr bezahlen kann. Das sind naemlich 300 R im Monat! Sie verdient 600 Real und ernaehrt damit sich, ihre Mutter, die ein amputiertes Bein hat und einen AIDS-kranken Neffen, dessen Eltern erstens in den Favelas von Rio leben und ihn zweitens verstossen haben (Sie also die einzige verdienerin der Familie und muss alles bezahlen: Medikamente, Essen, Wohnung, Strom...). Nun belaufen sich ihre Schulden auf 5000 R. Deshalb haben die anderen Lehrer gesammelt.
Also, ich moechte ja nicht aufdringlich sein, aber falls jemand noch so 10-20 Euro uebrig hat, kann er oder sie die gerne auf mein Konto ueberweisen: Miriam Theis, Postbank Frankfurt BLZ 50010060, Ktonr. 164786603. Mit dem Betreff Marta . Ich werds dann hier abheben und weiterleiten. Spendenbescheinigungen kann ich leider nicht ausstellen. Es geht auch nicht das Geld an das Projekt zu spenden, da man ja schlecht begruenden kann, wieso dann damit die Schulden einer Privatperson beglichen werden sollten...
Soviel fuer heute
Eure Miriam
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24.10.2005
Liebe leute gross und klein,
es ist mal wieder zeit fuer einen kurzen zwischenbericht aus dem aufregenden leben der simone m.
hmm...was erzaehl ich denn...
ach ja: gestern war wieder favela tag.
mittlerweile kann ich schon besser damit umgehen, bin nichtmehr den traenen nahe sobald ich reingehe.
aber die geschichten der frauen sind natuerlich nicht weniger schlimm.
viele familien koennen gratis in einem haus wohnen, wenn sie diesen oder jenen buergermeister ins amt waehlen. wenn er die wahl nicht gewinnt, werden sie rausgeworfen. es lebe die korruption.
die miete fuer ein haus betraegt zwischen 10 und 30 euro im monat. wenn ich daran denke dass meine digicam 400euro gekostet hat und eine familie davon ueber 3jahre miete bezahlen koennte, bekomm ich mehr als eine schlechtes gewissen.
ich hab uebrigens jetzt doch ein paar fotos in den favelas gemacht, leo (professorin mit der wir immer die besuche machen) meinte das is ok. die sind echt hammergut geworden. kriegt ihr aber erst zuhause zu sehen.
eine frau wurde mitsamt ihren 3 kindern aus dem haus geworfen weil sie nicht die 5te frau von dem einen mann von dem ich euch schon erzaehlt hab werden wollte.
das erste mal verheiratet wurde sie mit 12..da kam auch das erste kind. es sind einfach soviele schicksale, die kann ich nicht alle aufzaehlen.
ach ja, toni hat mir voll das schoene lied auf der gitarre gelernt (só hoje von jota quest!!!) und heut hab ichs gespielt und die maedels haben gesungen, des war so liab!
so, ich muss weg... ich hoffe euch gehts allen gut, vida é loco mas bonita!
simoniiiiiii (wie mich hier alle nennen ;-)
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Montag, 14. November 2005 07:58
Betreff: kurzbericht
hallo fans!
Also, die wichtigsten ereignisse: montag war ich mit 3 educadores in den favelas.
wir haben familien ausfindig gemacht deren maedchen nicht im projekt sind und ihnen makerl fuer ein grosses lebensmittelpaket gegeben.
wir haben namen und eine identifikationsnummer aufgenommen, es war ziemlich stressig und heiss.
die leute haben hunger und jeder wollte so ein makerl.
leider war die zahl begrenzt und als ich eine schwangere frau mit einem kleinkind am arm wegschicken musste is mir mein herz zerbrochen, echt...man muss echt hart sein hier, sonst druckt man das nicht durch.
eigentlich waere morgen die verteilung gewesen, aber die pakete kommen aus recife und irgendwas is schief gelaufen, jetzt ist es erst naechste soweit. dh wir koennen morgen ca 150 frauen wieder heimschicken wenn sie kommen um ihre pakete zu holen.
heute haben wir 3 familien in den favelas besucht. eine frau, die mutter von adrianna, wohnt mit ihrem ex mann zusammen. er hat sie verlassen, einer anderen frau ein kind gemacht, die is dann abgehauen und er wohnt mit seinem kleinen sohn jetzt wieder bei seiner ex. sie laesst es zu wegen des kindes...
ja soviel dazu....send Euch allen eine umarmung,
eure simone
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15. November 2005
hallo ihr lieben! also, freitag war dann doch die lebensmittelpakete verteilung.
anfangs hiess es um 10uhr, dann um 15uhr, dann um 18uhr und angekommen ist der lieferwagen schliesslich um 19uhr30.
wir und die familien haben sooo lange gewartet, war echt anstrengend. es waren sooo viele menschen, ihr koennt euch das nicht vorstellen.
jeder bekam 3 pakete zu je 20 kilo. reis, bohnen, oel, zucker, mehl, waschmittel, rasierer, duschgel, shampoo, damenbinden etc. viele frauen sind alleine (!!) gekommen, viele auch noch schwanger! die haben 60kg nach hause geschleppt! zwei saecke am kopf und einen im arm..unglaublich, echt.
der vorhof vom projekt war bummvoll, soviele frauen, kinder und maenner...es war so ueberwaeltigend dass ich mal kurz traenen in den augen hatte.
um 19:30 hat dann wie gesagt die arbeit begonnen.
zuerst mussten wir noch auf die polizei warten. es kamen 6 security maenner. waeren sie nicht da gewesen und wir haetten den lastwagen geoeffnet...gelek, das waer zur meuterei geworden.
anfangs hats mich geschreckt weil die polizisten alle schlagstoecke hatten, aber es musste einfach sein. waer sonst zu gefaehrlich gewesen. dann gings los.
ich war bei den reis/bohnen/oel saecken, die waren soo schwer...250 stueck...ich hab den leuten geholfen sie auf ihren kopf zu geben...ich hab glaub ich 5kg muskelmasse aufgebaut ;-) na echt, es war sooooo anstrengend, wir haben gehackelt wie die wilden und dreck geschwitzt.
um 0:40 hatten die letzten ihre pakete. wir waren so tot, echt. aber gluecklich.
die menschen koennen jetzt ein zeitl von den paketen leben, es war wirklich eine wichtige aktion.
so nebenbei: die pakete werden durch spenden finanziert, man kann auf www.vida-brasil.com ein lebensmittelpaket "spenden" indem man eins bezahlt, ist nicht teuer, ich glaub 15euro oder so.
so, liebe gruesse an alle, bis bald (.........)
simone
Fotos, die mir Simone von der Verteilung geschickt hat (zum Vergrößern bitte anklicken):



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Fotos von Simone vom 19.11.2005:
(folgen in Kürze)
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hallo an alle aus meinem adressbuch!
es ist wiedermal zeit fuer ein paar simone geschichten.
also, die letzten tage waren ziemlich ereignisreich. freitag hatten wir den "dia multicultural", jeder von uns educadores hat eine praesentation mit den maedchen gemacht, um zu zeigen was wir dieses semester alles gemacht hatten. wir hatten zwei tanzvorstellungen, eine selbstverteidiungspraesentation, ein theater, eine musikvorstellung und ich hatte ein paar kleine englisch praesentationen, ganz simpel. es kamen total viele leute und alles ist super gelaufen, war ein echt schoener tag. ab morgen ist das projekt zu, also die maedchen haben bis anfang jaenner ferien. gestern haben wir mit den maedchen uber das vergangene semester geredet, positives und negatives rausgearbeitet etc. danach, am abend, hatten wir educadores noch eine besprechung in der es hauptsaechlich um miriam und mich ging. fuer uns ist das projekt jetzt ja vorbei, deshalb sprachen wir gestern ueber unsere zeit hier etc. wir wurden durch die bank gelobt und alle meinten wie sehr sie uns nicht vermissen wuerden. das einzige negative was uns gesagt wurde war dass wir untereinander zuviel deutsch gesprochen haben, und das stimmt wirklich. alle arbeitskollegen haben dann "amigos para sempre" (freunde fuer immer) fuer uns gesungen, toni hat gitarre gespielt. das war so schoen, eliete (zeichenlehrerin) hat geweint und ihr kennt mich ja, ich hab sie umarmt und mitgeheult. war einfach ein bewegender moment. ich mein, wir sind noch bis mitte maerz hier, aber wie gesagt, der grosse abschnitt "projekt" ist mehr oder weniger gelaufen. heute hatten wir mit den maedels abschlusstag. wir sind in ein schwimmbad gefahren, mitten in der wildnis, es war so der hammer, total schoen und abelegen zwischen lauter bananenbaeumen und palmen! 120 maedels, die meisten konnten nicht schwimmen, miri und ich haben unser bestes gegeben um es ihnen beizubringen. mein armes kreuz...hab mir voll die schulter verrenkt als mir maria adriana (ein maedchen) hinten auf den ruecken gehuepft ist. aber naja, es war ein total schoener tag, da nimmt man sowas in kauf. jetzt bin ich grad total muede *gaehn*...aber mein tag ist noch nicht zuende, wir sind noch bei leo (koordinatorin) zum essen eingeladen. morgen is nochmal ein grosses seminar mit den eltern der maedchen und am montag gehts dann ab fuer mich nach sao paulo, sorocaba, zu antonios eltern, wo ich weihnachten verbringe. hmm, was gibts sonst noch...ach ja, es is ja weihnachtszeit, aber ich sags euch, ich war noch nie so wenig in weihnachtsstimmung wie hier. ich mein, wie soll man bei 40grad und palmen in weihnachtsfeeling kommen? es ist zwar alles weihnachtlich dekoriert, aber die watte die schnee symbolisieren soll is irgendwie laecherlich und macht alles noch unweihnachtlicher ;-)
wuensch euch allen ein schoenes wochenende, dicker kuss,
simone,momo,noni,spadelotto,eno etc (jetzt kennen alle all meine spitznamen
;-) nein, mir ist nichts peinlich!
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Besten Dank an Simone und KollegInnen für die bereitgestellten Fotos!





